Flores - Agua Quente, Wanderung PR2FLO

2. November 2010

Flores für alle Sinne

Heute geht es endlich nach Costa und zu den heissen Quellen, dort war ich noch nie. An der Südküste scheint die Sonne als wär Hochsommer. Vom unteren Ortsausgang gelangt man über ein grünes Tal zur Steilküste. Plötzlich blanker Fels, ein abenteuerlicher Weg und zu allem Überfluss riecht es nach Schwefel. Erst sehe ich den Weg gar nicht - ach, das soll der Weg sein. Na gut, solange ich nicht klettern muss.

Ist man erst einmal über die Stelle mit Blick nach unten hinweg, wird es wieder richtig gemütlich, aber nur kurz. Die Küste ist einmalig, ganz anders als das restliche Flores, gar nicht grün. Die Felsen vulkanischen Ursprungs zeigen alle Farben von weiss über gelb bis rot. Und es riecht immer noch nach Schwefel. Der Ort Lajedo hat keine Kosten und Mühen gescheut, den gesamten Weg neu zu beschildern. Also ich würde keine Touristen in Flip-Flops auf die Idee bringen, sie könnten dort herumturnen. Am Ende wurden sogar Stufen geschaffen, doch auf die letzten Meter bis ganz hinunter verzichte ich freiwillig - auch mit Wanderstiefeln.

Der Blick ist in jedem Falle atemberaubend - die hohe gelbrote Felswand, das blaue Meer, die vorgelagerten Inselchen. Und unten brechen die Wellen in die kleine Bucht mit glasklarem Wasser.

Lange kann ich dennoch nicht dort bleiben, selbst im Sitzen wird mir irgendwann schwindlig. Der Rückweg ist steil und beschwerlich dank der Sonne und der hohen Luftfeuchtigkeit. Aber es hat sich allemal gelohnt. Die Gegend um die Agua Quente bietet einen ganz anderen Anblick als den, den man sonst von Flores kennt.

Von Costa aus führt ein alter Küstenweg bis nach Lajedo und von dort als offizieller Wanderweg PR2FLO weiter bis nach Fajã Grande. Insgesamt mache ich heute also ca. 15 km und etliche Höhenmeter, denn es geht stets bergab oder bergauf.

Vorbei an bellenden Hunden, einem Pony mitten auf dem Pfad, vorbei an unzähligen Aussichtspunkten und über einige Bächlein (mal mit, mal ohne Brücke) passiere ich Lajedo und Mosteiro. Im zum Meer hin offenen Kraterrund um den verlassenen Ort Caldeira ist es ganz still, nur die Vögel hört man zwitschern - das erinnert mich an Corvo.


Blick auf Fajãzinha © klee

Hinauf zu einem der schönsten Aussichtspunkte - Ladeira do Portal - und wieder hinunter nach Fajãzinha.
Am Wegesrand wächst Minze, ich reisse ein paar Blätter ab, zerreibe sie zwischen den Fingern und atme den frischen Duft ein.

Es wird Abend und wie gestern schon kommt die Sonne kurz hervor. Sie taucht das Meer und die Ribeira Grande in goldenes Licht, bevor sie hinter einer Wolkenwand verschwindet. Wind kommt auf, ein warmer Wind von Süd, der beim letzten steilen Anstieg für genau die richtige frische Brise sorgt.

Abendessen gibt es wieder in der Snackbar Occidental: den klassischen Hühnchenspiess mit Orangenscheibe, Reis UND Pommes UND Salat. Ich hätte auf einer meia dose bestehen sollen. Dafür lass ich den Café hinterher weg. So! Das war´s.

© klee
Heisse Quellen an der Steilküste

© klee
Vertigo

© klee
Der sog. Weg mit Schwefelgeruch

© klee
Versteckter Wasserfall

© klee
Pause mit Ausblick

© klee
Golden
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