Graciosa, Caldeira

24. Dezember 2009

Caldeiraumrundung - Kein "Höllensee" an Heiligabend

Die Sonne lacht vom Himmel am Morgen des Heiligen Abend 2009. Wind und Wellen erfreuen uns weiterhin. Heute ein kräftiger Ostwind. Bei dem herrlichen Licht steht erst einmal ein Spaziergang durch den tollen Garten der Quinta da Gabriele an. Auch im Dezember blüht es hier: Aloe Vera rot, Mittagsblumen weiß, Geranien pink und der Klee gelb :-)

Als ich zurückkomme, läuft der Kaffee schon durch. Besser geht es kaum. Draußen frühstücken ist dennoch nicht angesagt, man müsste alles festbinden. Aber es ist trocken. Und auch wenn es fast sicher ist, dass es nicht den ganzen Tag so bleiben wird, nutzen wir gleich die Gelegenheit, den obligatorischen Ausflug in die Caldeira zu machen.

Wir starten bei Luz, kurz vor dem Tunnel, der in die Caldeira hineinführt. Drinnen im Kraterkessel ist es ganz ruhig, die friedliche Stimmung passt sehr schön zu Weihnachten.

Das Tickethäuschen ist verwaist. Wir steigen den steilen Weg zum Höhleneingang hinab und kommen an der Baustelle des neuen Besucherzentrums vorbei. Keiner da, keiner arbeitet. Aber es riecht stark nach Schwefel. Selbst wenn - wahrscheinlich könnten wir ohnehin nicht in die Höhle. Viel zu viel Kohlenmonoxid. Der Höllensee, auch "Lagoa do Styx" genannt, unten in der Schwefelhöhle wäre heute wohl nicht sehr gesund. Aber so lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf andere Details wie z.B. die Lavaspalten um den Eingang herum.

Zurück gehen wir auf gleichem Weg, durch den Tunnel und bis zur Abzweigung. Dort erkunden wir endlich einmal die Furna de Abel. Unscheinbar der Eingang zwischen Weiden, im Sommer so zugewachsen, das man leicht daran vorbei geht.

Steil hinauf zum Caldeira-Rundweg und dann rechts herum. Wir schauen über Luz hinweg zur Serra Branca, zur Serra Dormida und zur Serra das Fontes. Dann kommen nach und nach die Quinta, Carapacho und die Ponta da Restinga in Sicht. Auf der Westseite des Kraterrunds waren wir vor dem Ostwind geschützt. Je weiter wir auf der Südseite darum herumgehen, desto mehr bläst er uns ins Gesicht.

Das Inselchen vor Praia ist zu sehen, wir passieren die Weiden, über die wir im Jahr zuvor Richtung Leuchtturm gingen. Kurz danach biegt ein Weg rechts hinunter ab. Im Sommer war er nie richtig erkennbar, total überwuchert von Brombeeren und anderen Büschen. Ich versuche, ob man ihn nun gehen kann. Das erste Stück ist reichlich von Kuhhufen zertreten, aber nach und nach wird der Weg besser. Dennoch muss man immer aufpassen, dass man nicht ungünstig auf einen Stein unter dem halbhohen Gras tritt.

Es hat zu nieseln angefangen. Oder hat es auf der Ostseite schon die ganze Zeit genieselt, da die Wolken dort ja vom Wind an den Hang gedrückt werden? Jedenfalls muss die Kamera schwer leiden, ständig Sprühregen auf dem Objektiv. Obwohl die Küstenstraße zum Greifen nah scheint, benötigen wir doch eine gute halbe Stunde für den Abstieg auf unebenem Untergrund.

Das nächste Stück führt die Straße entlang, dann gehen wir kurz hinter der Abzweigung zum Farol do Carapacho links den Wiesenweg hinunter, den wir schon am ersten Abend hinaufgegangen waren. Freuen uns schon auf unseren wohlverdienten Galão im Dolphin. Dort ist tatsächlich auch am 24.12. geöffnet, aber leider sind die Queijadas aus. Macht nix, auf uns warten ja noch ganz andere kulinarische Genüsse.

In der Quinta werden Stühle und Tische gerückt, bis alles vorbereitet ist für ein wunderbares Weihnachtsfest. Ein kleines Grüppchen Menschen findet sich zusammen, man möchte sagen, fast am Ende der Welt, auf einer winzigen Insel, mitten im Sturm, mitten im Atlantik. Manche sind erst vor ein paar Stunden mit dem Flieger gekommen - bei der Witterung erneut ein reiner Glücksfall. In den Jahren davor hätte man ein Picknick machen können, aber nun sitzen wir alle im Haus. Lasst den Sturm ruhig heulen, wir feiern hier gemeinsam für ein paar Stunden.

© klee
Sonnenlicht auf Wellen

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Caldeira Besucherzentrum

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Höhlenzugang

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Baustelle über Erdspalte

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Caldeira-Tunnel

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Winterblüte Hortensie

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Luz und Serra Branca

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Caldeira-Rundweg

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Ponta da Restinga

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Im Sommer zugewachsen

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Vorsicht Steine unter Gras

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Kuhflüstern

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Inseln und Leuchtturm

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Optische Täuschung

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