Graciosa, Baia da Folga

23. Dezember 2009

Spaziergang durch die Wetterküche

Nase raus, dann ganz raus. Die Morgensonne zaubert ein wenig rötliches Licht in die Wolken. São Jorge ist zu sehen - es ist ein wenig wie die Ruhe zwischen dem Sturm. Die Caldeira ist ebenfalls zu sehen, aber obendrauf sitzt eine dicke Wolke. Alles ist noch nass vom nächtlichen Regen, Sturm, Getöse.

Der Blick auf Thermo- und Barometer zeigt 12°C bei 80% Luftfeuchtigkeit. Ungewöhnlich kühl für die Jahreszeit. In den Jahren davor gab es bis 20°C im Dezember. Auch Wind und Wellen sind ungewöhnlich, sie würden eher zum Februar oder März passen. Aber die Wetterküche der Azoren richtet sich nicht nach Statistiken. Eine Nachfrage bei windguru.com und meteo.pt bestätigt nur, dass es so bleiben soll. Lediglich ein Lichtblick am 25.12. Aber — wir haben es ja so gewollt!

Es ist trocken und sieht dann eigentlich gar nicht so übel aus. Also beschließen wir, in die Baia da Folga zu spazieren. Das ist nicht so weit und dort gibt es eine Einkehrmöglichkeit.

Die Straße lang - der Regen in der Nacht hat ein Stückchen Steinmauer abrutschen lassen, notdürftig mit einem hellen Sack gesichert. Dann links ab Richtung Küste. Gehen nicht direkt in die Baia, sondern machen einen Abstecher hinunter zur Küste. Ein Weg zwischen Steinmauern und Feldern führt hinab.

Dort gibt es tatsächlich noch den alten Küstenweg, der von der Baia da Folga Richtung Carapacho führt, aber noch ein ganzes Stück vorher endet. Bei diesem Wetter gehen wir ihn lieber nicht. Er führt direkt an der Abbruchkante entlang und man weiß nie, wie aufgeweicht der Boden ist.

Während wir noch an der Küste stehen, sehen wir eine Regenwolke auf uns zukommen. Es regnet so schräg, dass wir hinter der Mauer prima geschützt stehen und abwarten können.

Zurück auf dem offiziellen Wanderweg gelangen wir zügig in die Baia da Folga. Es nieselt weiter, mal mehr, mal weniger. Im Restaurante ist sogar was los: Da sind die Wirtsleute, drei Männer in Gummistiefeln auf einen Café und dann noch ein sehr ungewöhnliches, multinationales Gespann, mit dem wir uns prima unterhalten.

Nach unserem Galão beschließen wir, ebenfalls die leckeren Camarões (Garnelen) zu bestellen, während draußen über dem Hafen weiterhin eine Mischung aus Gischt und Niesel den Tag verdunkelt.

Nach dieser netten und gemütlichen Mittagspause besuchen wir das Leuchtfeuer über dem Hafen und gehen anschließend zurück zur Quinta da Gabriele. Dort können wir uns mit Hühnersuppe am Kamin aufwärmen. Was sag ich. Aufwärmen ist nicht das richtige Wort, draußen ist es ja nicht kalt, vor allem wenn man sich bewegt. Unangenehm sind nur ungeheizte und daher feuchte Räume.

Später am Nachmittag gehen wir erneut los. Diesmal nach Carapacho, um noch mehr Brandung und Wellen zu beobachten.

Leider kommt man nicht in die Nähe des Thermalbads, das immer noch renoviert wird. Ein Großteil ist schon fertig, aber das ganze Gebiet ist abgesperrt. Die rosa gestrichenen Umrandungen wurden durch grau ersetzt, was zwar edler aussieht, aber dem Thermalbad auch etwas von seinem ursprünglichen Flair nimmt.

Rost ist offensichtlich in. Riesige rostige Buchstaben sind zu sehen, die "Termas do Carapacho" bilden. Sie sollen den ankommenden Badegast einmal kunstvoll begrüßen.

Die Meerwasserbecken sollen ebenfalls größer werden und besser zugänglich sein als über die alten Treppen. Wenn es erst einmal fertig und eröffnet wird, ist es ein wunderschöner Ort zum Baden sowohl im Meer als auch im Thermalwasser.

Der Abend wird wieder wunderbar. Draußen heult der Sturm. Je nachdem, von wo der Wind kommt, hört man ihn anders, trifft er anders auf das Dach und die Fenster. Drinnen genießen wir ein weiteres, leckeres Abendessen und einigen Rotwein in sehr netter Gesellschaft.

© klee
Mystische Caldeira

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12°C bei 80% Luftfeuchtigkeit

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Freundlicher Moment

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Alter Küstenweg

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Wanderweg zur Folga

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Baia da Folga

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Weihnachtsdeko

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Sturm bei Carapacho

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Ilhéu de Baixo im Wind
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