Pico - Bei Traumwetter auf dem Eselpfad

5. Januar 2010

Auf dem Caminho dos Burros vom Hochland zur Küste

Die Sonne scheint. Nächster Anlauf, um die Wanderung Caminho dos Burros zu unternehmen. Fahren an der Nordküste entlang und kommen durch dichten Nebel. Ich vermute, dass bei so tief hängenden Wolken darüber das beste Sonnenwetter sein muss.

Und schon nach wenigen Kilometern hört der Nebel auf, es ist wieder sonnig. Rufen uns ein Taxi in die Baia das Canas, welches uns ins Hochland fahren soll. Da wir heute etwas früher dran sind, klappt es sofort und nach kurzer Zeit ist der Fahrer da.

Steil und in vielen Kurven geht es hinauf ins Hochland. Dann nach einer Biegung der erste Blick auf den Pico. Heute trägt die Diva Hut. Das bedeutet eigentlich Wetterumschwung. Aber noch ist traumhaftes Sonnenwetter mit nur wenigen harmlosen Wölkchen.

Während der 15-minütigen Fahrt erfahren wir die halbe Lebensgeschichte des Taxifahrers. Aufgewachsen in den USA, dann mit den Eltern zurück nach Pico und seit Jahren Taxifahrer. Wie oft er das wohl schon irgendwelchen Leuten erzählt hat?!

Wir steigen aus, bewundern die Traumaussicht auf den Pico, der über das Hochland wacht, und stapfen los. Zunächst geht es quer durch die einzigartige Landschaft zwischen Vulkankegeln und endemischer Pflanzenwelt mit Cedro-do-Mato, Erica azorica und Euphorbia stygiana.

Hier oben könnte ich mich ewig aufhalten, die Luft ist wunderbar klar, die Landschaft einzigartig und wenn dann noch die Sonne scheint - was will ich mehr?

Wir gehen wie auf eine Kante zu, hinter der man nur das Meer sieht und unter einer Wolkendecke die Nachbarinsel São Jorge vermuten kann. Bald beginnt der steile Abstieg auf einem schmalen Pfad aus schwarzem Lavageröll, welches teils mit Matsch und Kuhfladen durchsetzt ist. Immer wieder herrliche Ausblicke auf die Küste und den Pico, dessen Hut sich ständig verändert und größer wird.

Nach einer ganzen Weile treffen wir auf die Straße, der wir ein kurzes Stück nach rechts folgen, bis es links auf eine rote Schotterpiste geht. Immer weiter geht es bergab, bis man rechts abbiegt und bald danach zu einer Weggabelung kommt, an der man sich entscheiden kann, ob man nach links in Richtung São Roque weiterwandert oder nach rechts in die Baia das Canas. Wir wählen den rechten Weg - immer noch roter Schotter - wo wir noch ein Stück auf gleicher Höhe gehen, bis der Wanderweg auf einen schmalen Waldpfad nach links abbiegt.

Nun kommen wir durch einen Lorbeerwald. Wieder hat sich die Landschaft komplett geändert. Bald überqueren wir die Inselküstenstraße, gehen uns rechts haltend zum Miradouro im Parque da Prainha und weiter bis zum Wildgehege des Parks, wo es auch ein traditionelles Haus zu besichtigen gibt.

Die rot-gelben Wanderzeichen führen immer weiter durch den Park hinab. Er wirkt wie eine ehemals hochherrschaftliche Parkanlage mit unzähligen Blumenbeeten und diversen Picknickplätzen.

Ein kurzes Stück über die Wiese und schon befinden wir uns wieder in einem Lorbeerwald, in dem man noch die alten Lavasteinmauern früherer Landwirtschaft erkennen kann. An den steilen Stellen wird es auf dem schwarzen Lavageröll ziemlich rutschig, man sollte sich ein paar Kraftreserven für dieses letzte, anstrengende Stück aufbewahren.

Unaufhaltsam kommen wir dem Ausgangspunkt, der Baia das Canas näher, bis die ersten Häuschen auftauchen. Schließlich sind wir wieder an dem schönen Strand mit seinen großen, runden Steinen.

Es ist inzwischen etwas zugezogen, es gibt mehr Wolken, aber es bleibt bis auf ein paar Tröpfchen trocken und die Sonne zeigt sich auch immer wieder.

Daten zur Wanderung PR2PIC:
Länge: 9 km
Start bei: 777 m ü.N.N.
Höchster Punkt: 821 m ü.N.N.
Tiefster Punkt: 19 m ü.N.N.
Reine Gehzeit: 2,5 h

Da wir gestern unseren Vermietern vom Besuch der Pastelaria in Lajes vorgeschwärmt hatten, haben sie uns eine ebenso gute in São Roque empfohlen, schwer zu finden - oberhalb des Zentrums. Hat ein wenig Kantinen-Charme - aber man sieht sowohl den Pico als auch das Meer und die Backwaren sind erste Sahne.

Abendessen gibt es - nach einem Abstecher zur Küste - nochmals im Canto do Paço in Prainha, wo wir an einem Wochentag im Winter die einzigen Gäste sind. Das traditonelle Essen ist wieder sehr lecker: Linguiça (Wurst) und Inhame (Yams).

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Caminho dos Burros

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Wanderzeichen

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Hochland bei Traumwetter

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Blick Richtung São Jorge

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Pico mit Hut

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Cedro do Mato, Erica azorica

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Moos

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Verhüllter Pico

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São Roque do Pico

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Wolken-Berg

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Durch den Lorbeerwald

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Im Parque da Prainha

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Picknickplatz mit Meerblick

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Baia das Canas

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Strand mit runden Steinen
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