São Jorge, Nordküste

29. Dezember 2009

Vier Jahreszeiten an einem Tag - diesmal wirklich

Aufwachen. Es ist affenkalt, klamm, unangenehm. Da hilft nur aufstehen, anziehen, Kaffee kochen, raus in die Sonne und in Bewegung bleiben. Dabei kann ich gleich die Quinta, mit Garten und Orangenplantage, inspizieren. Ein paar Meter hinter dem Gartenhäuschen befinden sich die Orangenbäume und danach beginnt schon der Steilhang.

Ein Blick nach oben zeigt blauen Himmel, aber auch Wolken. Bin mir nicht sicher, ob es sinnvoll wäre ins Hochland zu fahren, aber wir werden es einfach ausprobieren. Das Außenthermometer des Autos zeigt 7°C an. Das ist der Tiefpunkt.

über viele Serpentinen kurbeln wir uns nach oben. So auf halber Höhe halten wir an einem Miradouro. Dort liegen noch Schneereste der vergangenen Nacht. [Winter]

Zu sehen ist die Ostspitze Picos, der Rest liegt unter dunklen Wolken. Zusammen mit der Sonne ergibt das eine wunderschöne Lichtstimmung. Verlassen und winzig wirkt die Landebahn unter uns.

Fahren weiter bis zum höchsten Punkt der Süd-Nord-Verbindung, wo Schilder den Weg zum höchsten Berg der Insel, dem Pico da Esperança, weisen. Leider hängen auf dieser Höhe die Wolken fest und es regnet waagerecht. Auch hier liegen noch Schneereste herum. Mit der Hochlandwanderung wird es also nichts, war aber auch fast klar.

Wir werden also die Nordküste aufsuchen. Sobald wir unter den Wolken heraustauchen, scheint wieder die Sonne durch dunkle Wolken. Erster Stop ist der Aussichtspunkt oberhalb der Fajã do Ouvidor. Nieselregen im Gesicht und auf dem Objektiv. Egal, da muss die Kamera jetzt durch - ein Traum-Regenbogen spannt sich nämlich über die kleine Landzunge vor der Steilküste.

Auf dem weiteren Weg hinunter stoppen wir erneut in einer Kurve, wieder ein wunderschöner Regenbogen und Sonne auf den Häusern der Fajã. Schön für uns, das Hafenlokal hat geöffnet und wir gönnen uns Galão, obwohl wir noch nicht viel geleistet haben. Der Wirt erzählt vom nächtlichen Hagelschauer. [Frühling]

Danach die Brandung und Wellen im Hafen beobachten. Schon beeindruckend, aber so schwer im Foto festzuhalten. Hinter uns entstehen immer wieder neue Regenbögen. Gehen in diese Richtung zu dem kleinen Leuchtturm. Ein schmaler Pfad führt dorthin. Ein Mann und eine Frau von der Marinha machen sich gerade daran, das vom Sturm beschädigte Leuchtfeuer zu reparieren. Scheint nicht so einfach zu sein.

Gehen langsam zurück, die Felsformationen inklusive eines Torbogens sind aus jeder Perspektive spannend. An windgeschützten Stellen ist es in der Sonne richtig angenehm. [Ein Hauch von Sommer]

Fahren weiter, wieder hinauf und kurz danach in die nächste Fajã hinab. Immer wieder Serpentinen und atemberaubende Ausblicke. In der Ribeira d'Areia, in die inzwischen eine Asphaltstraße hinabführt, wird man als Besucher mit zwei Holzschildern zu den Attraktionen geleitet. Ein Weg heisst "Caminho do Arco". Messerscharf lässt sich daraus schließen, dass es dort einen Felsbogen zu sehen gibt. Tatsächlich.

Vom Meer her schickt uns der stürmische Wind immer wieder einen Riesenschwall Gischt. Ob es gleichzeitig nieselt, lässt sich schwer sagen. Versuche, den Felsbogen mit der Brandung zu fotografieren, und muss ständig das Objektiv trocknen. Genau hinter dem Arco entsteht der nächste Regenbogen. All die Regenbögen, die ich auf den letzten drei Reisen vermisst habe, scheinen sich hier und heute versammelt zu haben.

Nach einem Abstecher zum anderen Ende der Fajã geht es weiter. Das gleiche Spiel, Serpentinen rauf und die nächste Abfahrt runter. Nun ist die Fajã dos Cubres dran. Der Miradouro oberhalb, einer der schönsten der Azoren überhaupt, ist leider abgesperrt. Der Boden darunter scheint vom Regen teilweise weggespült zu sein. Der Blick von der Straße aus ist dennoch atemberaubend. Sonne und dunkle Wolken im Wechsel. Stürmisches Meer, weiße Gischt.

Nach einem weiteren Galão spazieren wir an den Weiden vorbei, bis der Erdweg direkt auf die Küste trifft. Im Nachhinein ziemlich unheimlich, sich vorzustellen, wie es dort nur zwei/drei Tage später ausgesehen haben muss, als das Meer über den großen Steinwall schwappte und das Land unter Wasser setzte.

Ein letzter Abstecher führt uns an der Nordküste westwärts zurück bis zur Abzweigung in Richtung Fajã Vasco Martins. Bislang war diese nur schwer über schmale Pfade erreichbar, doch ein Hinweisschild zeigt Bauarbeiten an. Ein asphaltierter Feldweg führt steil hinab. Ich folge ihm, um mich über den Stand der Dinge zu informieren.

Durch den grünen Steilhang zieht sich eine schlammig-braune Schneise, die sich in Serpentinen nach unten windet. Ich denke, dass ich vielleicht so weit hinunter gehen kann bis man die Fajã von oben sieht. Hinter jeder Serpentine aber folgt nur die nächste und der Weg wird immer matschiger.

Fixiert auf die nächste Kurve sinke ich plötzlich überknöcheltief in den Schlamm ein, der nächste Schritt macht es nicht besser. Großartig. Der Weg ist nicht mehr begehbar, ich würde nur immer tiefer einsinken. Kämpfe mich heraus. Auf dem Rückweg säubere ich die Wanderstiefel notdürftig beim "Canyoning" im Wasser, das in der Mitte des Weges herabläuft. Oben angekommen fängt es an zu nieseln. Na dann passt es ja. [Herbst]

Rückfahrt zur Unterkunft, Schuh-/Klamottenwechsel und Suche nach einem offenen Restaurante in Urzelina. Fehlanzeige. Also wieder nach Velas ins Velense. Es ist nicht wirklich wärmer drinnen, aber das Essen sehr gut.

Besorgen uns noch Wärmflaschen, der Heizlüfter sprüht nur Funken, der ist nicht zu gebrauchen und würde wohl auch nicht allzuviel bringen. Aber mit der Wärmflasche ist es im Bett durchaus auszuhalten. Freue mich auf den nächsten Tag auf dieser schönen, spannenden Insel.

© klee
Haus mit Garten

© klee
Landebähnchen São Jorge

© klee
Rechts unten Schneereste

© klee
Fajã do Ouvidor ...

© klee
... unterm Regenbogen

© klee
Schild und rosa Knöterich

© klee
Fajã da Ribeira d'Areia

© klee
Fajã dos Cubres

© klee
Straßenbau auf den Azoren
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